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Was ist bei Hühnern als "natürlich" zu verstehen?
#1
Ich wollte auf folgendes Zitat von Tex eingehen, weil ich schon länger um dieses Thema mir Gedanken mache: was ist eigentlich unter "natürlich" zu verstehen?

(29.11.2014,13:03 )Tex schrieb: Je nach Rasse ist die max. Lebenslegeleistung auf 5-600 Eier begrenzt. Daran hat sich nichts geändert. Siehe auch hier: http://forum.fluegelvieh.de/showthread.p...3#pid26333

Ob man den Hühnern allerdings einen "Gefallen" tut (wie im obigen Beitrag postuliert), wenn sie rund um die Uhr legen, wage ich zu bezweifeln.

Man stelle sich bitte doch mal vor, Frauen hätten alle 5 Tage ihren Zyklus statt alle 28 Tage, aber dafür wäre mit 21 Jahren Schluß! - Wie verbraucht würden denn dann 21jährige Mädels aussehenAsk

Selbstverständlich kann man auch bei Rassehühnern die Legeleistung/Jahr etwas "fördern", indem man für mindestens 12 Stunden Licht/Tag + ausreichend Wärme (>15°C) sorgt. Allerdings muß man dann auch in Kauf nehmen, daß sie evtl. mitten im tiefsten Winter anfangen wollen zu brüten.
Abgesehen von Eingriffen in natürliche Abläufe, die sich fast immer als Bumerang erweisen, sollte man auch den Kosten- Nutzenfaktor nicht aus dem Auge verlieren. Strom kommt zwar aus der Steckdose, kostet aber trotzdem Geld. Und in diesem Falle weitaus mehr, wie unsere "Landhennen" bereit sind im gegenzug mehr zu produzieren. Jubel

In der Hühnerzucht wird sehr oft mit dem Argument "das ist (un)natürlich" argumentiert. Das ist für mich irritierend. Ich erkläre, wieso:

Für mich bedeutet "natürlich" bzw. "Natur", wenn keine Einmischung seitens Menschen stattgefunden hat. Sprich, kein einziger Faktor darf verändert werden. Denn der Mensch ist nicht im Stande, auszurechnen, was passiert, wenn er etwas abgeändert hat, was vorher in ein Ganzes einbewoben war.

Bei Hühnern sind schon seit langen Zeiten viele Faktoren verändert worden.

Was passiert, wenn sich der Mensch also in die Natur einmischt und anfängt, Abläufe abzuändern? In der Regel muss er raten, bzw. er ist gezwungen, ständig seine veränderten Lebewesen zu beobachten und die Schlussfolgerungen anstellen, um optimale Ergebnisse erzielen zu können. Und das Problem - der Mensch kann niemals sicher sein, dass seine Beobachtungen den natürlichen Abläufen tatsächlich gleichen. Der beste Beweis war für mich Mythos über Alpha-Wolf. So einfach können sich also vergleichsweise lange Zeit auch die Wissenschaftler täuschen, dachte ich, als ich den Artikel las.

Was ist also genau unter "natürlich" bei den Hühnern zu verstehen? Es bleibt nur, nachzuahmen, was etwas in der Natur abläuft, ohne wirklich objektiv gleiches Umfeld erzielen zu können.

Man guckt darauf, wann und welche Temperaturen von Hühnern vertragen werden und diese werden, so gut es geht, z.B. im Stall erreicht. Man guckt darauf, ob die Hühner scharren und man bietet ihnen entsprechenden Boden an. Das sind allerdings alles künstlich erschaffene Bedingungen. Wobei Scharren oder Temperaturen gar nicht soooo schwer sind, nachzustellen. Der richtige Pflanzenbewuchs im Auslauf (so wie das die Vorfahren unserer Hühner hatten) wäre z.B. viel schwieriger bis unmöglich.

Noch zum Zitat:
was die Frauen angeht, dafür wären dann die Genetiker zuständig. Das würde bedeuten: sie hätten eben auch verkrüppelte Wesen produziert. An genetischer Spielerei ist nichts natürlich. Wenn eine Legehybride auf 600 Eier genetisch gezüchtet wird, wird 100pro nicht darauf geachtet, ihre Genetik nach den ersten Legejahren auf Vordermann zu bringen.

GENETIK hat mit Natürlichkeit gar nicht mehr zu tun. MAn. ist es die letzte Grenze, die den Menschen endgültig von Natur für immer trennt.

Daher halten sich auch höchstwahrscheinlich die Meisten hier zum größten Teil Rassegeflügel, das nicht "überinzüchtet" ist. Denn Legehybriden sind nun Mal im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Schrei der genetischen Einmischung. Interessant, inwieweit wurde genetisch in die Entwicklung der Legehybride eingegriffen? Ich meine, abgesehen von gewöhnlicher Inzucht?

Ahja, und gerade fiel mir ein Artikel über"Retterin Genetik" *ironieaus* in die Hände.

Im Endeffekt wird heute unter "natürlich" verstanden, möglichst viele Faktoren bei Haltung der Hühner nachzuahmen, wie man es von ihren wilden Verwandten in wärmeren Ländern kennt.

Das wären schon erwähnte Temperaturvorgaben (Klima), Futter (Ernährung in der Wildnis), großen Auslauf (Revier), Abhärtung der Küken, Pflanzenbewuchs (Versteck-, Nist- und Futtermöglichkeiten) etc. etc. etc. Bekanntlich hat man gesündeste Tiere, wenn Maximum von diesen Faktoren in der Haltung beachtet werden.
Gruß
Roksi
1,1 Maxi Homo Sapiens 1,2 Mini Homo Sapiens 1,1 Felis silvestris f. catus
0,1 Araucana, 0,1 New Hampshire, 0,1 Barnevelder, 0,1 Amrock, 0,3 Zwergkaninchen
#2
Moin Roski,

selbstverständlich ist es müßig sich über "natürlich" in der Natur zu unterhalten bzw. zu streiten. Alles was in der Natur vorkommt ist "natürlich"! Ob es dann der Evolution über den Tag hinaus standhält, ist eine ganz andere Frage.

Zitat:Für mich bedeutet "natürlich" bzw. "Natur", wenn keine Einmischung seitens Menschen stattgefunden hat. Sprich, kein einziger Faktor darf verändert werden. Denn der Mensch ist nicht im Stande, auszurechnen, was passiert, wenn er etwas abgeändert hat, was vorher in ein Ganzes einbewoben war.

Hier kann ich nur auf die heisenbergsche Unschärferelation verweisen: http://de.wikipedia.org/wiki/Heisenbergs...ferelation. Eine der Aussagen/Erkenntisse ist: durch die bloße Beobachtung eines Experimentes, beeinflusse ich dessen Ablauf!

Zitat:Was ist also genau unter "natürlich" bei den Hühnern zu verstehen? Es bleibt nur, nachzuahmen, was etwas in der Natur abläuft, ohne wirklich objektiv gleiches Umfeld erzielen zu können.

Mehr können wir tatsächlich kaum machen.
#3
Moin-moin,
(29.11.2014,15:19 )Tex schrieb: Hier kann ich nur auf die heisenbergsche Unschärferelation verweisen: http://de.wikipedia.org/wiki/Heisenbergs...ferelation. Eine der Aussagen/Erkenntisse ist: durch die bloße Beobachtung eines Experimentes, beeinflusse ich dessen Ablauf!
Stimmt.

Dazu fällt mir noch ein sehr interessantes Beispiel ein. Jedenfalls passt es irgendwie dazu. Ein Bekannter hat sich Bienen neu angeschafft. Er wollte allerdings sie gar nicht künstlich mit Zucker füttern und keinen Honig ernten. Welch eine große Überraschung musste er erleben, als der Boden von einem der Bienenhäuser etwas durchbrach und dadurch überschüssiges Honig floss! Die Bienen sind also schon so stark vom Menschen gewöhnt, dass er ihnen Honig nimmt, dass sie anfangen, mehr zu produzieren, als sie für ihren Nachwuchs benötigen.

Alles in einem wird es eine recht komplizierte Sache. Da die Umgebung auf das Bewusstsein des Menschen offenbar reagiert, ohne dass es ihm oft auffällt, muss der Mensch mit noch mehr Variablen im Verhalten der Lebewesen um ihn herum rechnen. Und - auch nicht gerade erleichternd - hat er keine Chance, die Zeiträume abzuschätzen. Mal ist überrascht, wie schnell doch die Naturressourcen verschwinden, die er ausbeutet. Anderen Mal wartet er vergeblich auf Steigerung der Produktion, obwohl er so viel z.B. in seinem Garten verändert hat, um mehr Ernte zu bekommen.
Gruß
Roksi
1,1 Maxi Homo Sapiens 1,2 Mini Homo Sapiens 1,1 Felis silvestris f. catus
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#4
Mal ist überrascht, wie schnell doch die Naturressourcen verschwinden, die er ausbeutet. Anderen Mal wartet er vergeblich auf Steigerung der Produktion, obwohl er so viel z.B. in seinem Garten verändert hat, um mehr Ernte zu bekommen.
Selbst eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. hulle6


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