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Rund um die Taube u.a. Feldflüchter
19.04.2011, 14:46 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.04.2011 15:28 von Lupus.)
Beitrag #1
Rund um die Taube u.a. Feldflüchter
Die Feldflüchter-Taube
Alle Haustauben stammen von der Felsentaube Columba livia ab. Diese Wildtaube lebt an den Felsenküsten und in den Gebirgen von Mitteleuropa, Asien und Afrika.
Als die Menschen anfingen, Häuser aus Stein und Städte zu bauen, domestizierte sich die Felsentaube selbst und schloß sich dem Menschen an.
Die Städte bzw. die Häuser waren für diese Tauben (als Felsbrüter) ideale Brutbiotope aus zweiter Hand. Des weiteren tat sich der urbane Bereich für die Tauben als zusätzliche Futterquelle auf. Sie machten sich durch den Verzehr von Nahrungsresten nützlich und hielten durch diesen Nahrungswettbewerb auch die Vermehrung der Schadnager, wie Ratten und Mäuse, in Grenzen. Mittlerweile haben sich die Stadt-Tauben, im Gefolge der Menschen, über die gesamte Welt verbreitet.
Der Mensch sah seinerzeit auch die Vorteile dieses Zusammenlebens und es entwickelte sich eine Symbiose. Er bot auf den Gehöften den Tauben Brutmöglichkeit (bekannt sind z. B. die Taubentürme in Frankreich und über den gesamten Mittelmeerraum bis nach Arabien) und in Notzeiten (Winter mit hohen Schneelagen) etwas Futter.
Der Mensch nutzte die Tauben als Fleisch-, Eier- und Federlieferant, ebenso wurde der Taubenkot als erstklassiger Dünger eingesetzt.
Im nördlichen Verbreitungsgebiet der Felsentaube wurden auf den Höfen den Tauben „Nistkästen“ angeboten, ansonsten sich selbst überlassen. Da in den seltensten Fällen der Mensch züchterisch eingriff, unterlagen diese Tauben nur einer natürlichen Selektion durch Habicht, Sperber und Wanderfalke sowie dem Steinmarder.
Diese Tauben behielten im Phänotyp und im Genotyp - also im Aussehen und Verhalten - die Eigenschaften der Felsentaube. Diese Tauben wurden, zumal sie ihre Nahrung selbst auf den Feldern suchten, von den Rassetaubenzüchtern verächtlich "Feldflüchter" genannt.
Die verwandtschaftliche Nähe zur Felsentaube ist so eng, dass sich die Ornithologen häufig nicht sicher sind, ob es sich bei einer Taubenpopulation um Felsentauben oder um Feldflüchter handelt. So handelt es sich wahrscheinlich bei den Felsentauben der Insel Bornholm um wieder verwilderte Feldflüchter.
Bis in die 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts waren die Feldflüchter neben den Pfauentauben und den Klätschern (eine ursprüngliche Kropftaube) eine beliebte und weit verbreitete Bauerntaube.
Mit der Modernisierung der Gehöfte verschwanden – mangels Nistgelegenheit und Interesse der Landwirte - auch die Feldflüchter-Tauben. Falls überhaupt noch Tauben gehalten wurden, waren es Brief- oder andere Rassetauben, wie Farb-, Formen- und Flugspieltauben. Durch die „Blutauffrischung“ entflogener Rassetauben, veränderten sich die dem Feldflüchter sehr ähnlichen Stadt- Tauben, zusehends zu einem bunten Rassegemisch.
Einige engagierte Züchter, die den Feldflüchter noch aus der Jugend kannten, bereisten ganz Deutschland und auch einige östliche Nachbarstaaten, um noch in den Besitz typischer Feldflüchter zu gelangen und um diese "Ur-Haustaube" zu erhalten und weiterzuzüchten.
Auch heute noch bieten die Feldflüchter ein schmackhaftes Süppchen und einen leckeren Braten. Man sollte den Slogan "erhalten durch aufessen" auch auf die Feldflüchter anwenden und auch durch diese Nutzung diese Rasse erhalten.


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19.04.2011, 15:43 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.04.2011 16:04 von Lupus.)
Beitrag #2
RE: Rund um die Taube u.a. Feldflüchter
Ein Taubenstamm gezogen aus den Wildtauben Felsentaube Columba livia, Hohltaube Columba oenas, Klippentaube Columba rupertis und Guineataube Columba guinea


Vor zirka 20 Jahren berichtete ich über die Verpaarung von einer Ringeltäubin mit einem Altenburger Trommeltäuber, welche im Freiflug
waren und 6 Jahre bei mir in einem kleinen Taubenschlag lebten.
Einige Jahre später hatte ich ein Paar Hohltauben in einer Voliere
untergebracht, die im ersten Jahr gut ihre Jungen aufzogen, aber im
darauf folgenden Jahr bei der Aufzucht gesundheitlich recht ange-
griffen wirkten, obwohl ich ihnen gutes Futter und Minerale bot.
Die Jungtiere waren ca. 3 Wochen alt und ich entschloss mich, die
Alttiere frei fliegen zulassen, damit sie die Mangelerscheinungen
selbst ausgleichen konnten.
Durch die guten Erfahrungen mit der Ringeltäubin war ich optimistisch
das dies auch gelingen würde, da sie schon 3 Jahre eingewöhnt waren.
Ich musste mich aber eines besseren belehren lassen, sie ver-
schwanden, obwohl die Jungen im Nest lagen.
Als die Alttiere nicht zurückkehrten, nahm ich die Jungen nach zwei
Tagen aus dem Nest.
Mein Sohn, damals 12 Jahre alt, versuchte die Jungen mit der Hand
aufzuziehen. Die kleinere verendete nach einer Woche, die andere
aber wuchs zu einer schönen handzahmen Taube auf.
Wenn wir zu Hause waren hatte sie Freiflug und folgte uns überall hin.
Im Garten lief sie mit herum und suchte zwischen den Beeten nach
Fressbarem und Mineralien. Sie setzte sich auf die Heugabel und ließ
sich mit herum tragen. Einmal stand ich vor unserem Hoftor und erzählte
mit dem Nachbar, als die Taube angeflogen kam und sich plötzlich auf
meinem Kopf niederließ. Der Nachbar war ganz erstaunt und ging einen
Schritt zurück, selbst ich war völlig überrascht, denn das hatte sie noch
nie gemacht.
Als es Herbst wurde wollte sie abends nicht mehr in ihre Voliere
sondern flog immer wieder in eine alte Esche.
Da merkte ich, dass sie vom Vogelzug erfasst war. Wir lockten sie noch
einmal mit gutem Futter an und sperrten sie bis zum Frühjahr ein.
Sie entwickelte sich zu einer schönen Täubin und wenn man an die
Voliere trat flog sie von einer Sitzstange zur anderen und fing an sich
zu paaren. Da ich zu dieser Zeit keinen Hohltäuber hatte, setzte ich
nach einer Woche einen kleinen Feldflüchtertäuber hinzu welcher auch
gut paarte. Das ließ unsere Täubin aber total kalt, die Prägung auf den
Menschen war wahrscheinlich zu groß.
Was tun? Von einem Zuchtfreund bekam ich damals gerade einige
rote Dresdener Trommeltauben, welche ich auf dem Taubenmarkt
für ihn mit verkaufen sollte. Ein ziemlich kleiner Täuber mit wenig Fußbefiederung war recht zahm. Als ich ihn in der Hand hielt merkte
ich, dass er auf einem Auge blind war. Ich nahm den Feldflüchter, der
doch etwas feurig war, aus der Voliere und besetzte sie mit dem Trommeltauber. Nach zwei Tagen steckte ich ihn in den angebotenen
Nistkasten und er fing sofort an zu locken. Dies interessierte die Täubin
aber überhaupt nicht. Am nächsten Tag sperrte ich sie mit hinein und
verdunkelte das Einflugloch. Durch einen kleinen Spalt konnte ich beide
Tauben beobachten. Er fing sofort an zu locken, sie wollte immer heraus.
Aber er hackte sie nicht und blieb ihr gegenüber sehr ruhig.
Nach ca. 15 Minuten ließ ich sie heraus. Dies machte ich mehrere Tage
und wenn ich Zeit hatte auch 2 – 3 mal. Nach einer Woche waren sie
gepaart und nach 14 Tagen lag das erste Gelege im Kasten und die
Eier waren befruchtet. Die Jungen schlüpften gut, aber nach 8 Tagen
waren sie tot mit voll gefüllten Kröpfen.
Jetzt war mir klar, ich musste das Futter umstellen oder die Eier Lach-
tauben unterlegen, da Wildtauben länger Kropfmilch füttern.
Bei der nächsten Brut wurde es so gemacht und dem Paar gleichaltrige
Haustaubenjunge untergelegt, damit sie im Brutrhythmus blieben.
So zog ich in dem Jahr 3 Jungtiere auf – 2 Täuber und eine Täubin.
Die Farbe war rezessiev rot, Unterbauch und Schwanz gräulich
gefärbt und leicht bestrümpft.
Im darauf folgenden Jahr paarte ich den schönsten Jungtäuber zurück
an die Alttäubin. Als die ersten Jungen frisch geschlüpft waren lagen
sie am Rand des Nestes und waren tot. Als die nächste Brut schlüpfte
hatte ich mir die Zeit aufgeschrieben.
Ich schaute nur in den Kasten wenn die Täubin saß, weil sie ganz zahm war und nicht von den Eiern ging, aber es war schon zu spät, das erste
Jungtier war tot und das andere kurz vor dem ausschlüpfen.
Als es trocken war kroch es unter der Täubin hervor und blieb daneben
liegen. Ich steckte es wieder darunter, aber es war nichts zu machen,
immer wieder kletterte es heraus und verendete schließlich.
Ich legte Haustauben unter und ließ erst einmal Junge aufziehen.
Bei den nächsten zwei Bruten kam es gar nicht zum Schlupf, obwohl die
Eier befruchtet waren. Als ich die Eier mit 2 Tagen Verspätung öffnete
staunte ich nicht schlecht, die Jungtiere waren voll entwickelt aber der
Oberschnabel mit Eizahn fehlte bis zum Nasenansatz. Bis heute habe
ich darauf keine Erklärung, aber vielleicht hängt es mit der Inzucht bei
Wildtauben zusammen, was in der freien Natur so gut wie nicht vorkommt. Ich ließ noch einmal Haustauben aufziehen und im Oktober
brüteten sie noch einmal. Ich schaute nicht weiter nach, wunderte mich
aber, dass sie nach 25 Tagen immer noch saßen. Bei einer Kontrolle
stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass zwei schöne Jungtiere im
Nest lagen.
Als sie Federn bekamen verendete eins, das andere aber wurde
ein schöner rotfahler Täuber. Als er durchgemausert war, bekam er
am Halsfieder weiße Spiegel wie eine Ringeltaube, obwohl Hohl-
tauben grüne Spiegel besitzen.
Die Alttiere hatten bei der Aufzucht auch Freiflug, der Mischlingstauber
zeigt den Balzflug einer Hohltaubers.
Den Bruder hatte ich einem Bekannten gegeben, er war auch mit einer
Hohltäubin verpaart.
Hier gab es keine Ausfälle – 5 Jungtiere wurden aufgezogen – zwei
gefärbt wie Hohltauben aber mit längeren Schwänzen – eine fast schwarz, eine rote und ein Täuber blau mit ganz zarten Binden.
Da die Mischlingszucht viele Überraschungen bietet habe ich versucht,
in wie weit sich die verschiedenen Arten auf vielen Umwegen mit einander zu fruchtbaren Tieren verkreuzen lassen.
Es ist ein langer Weg, da fast ausschließlich nur Täuber zur Weiterzucht
verwendet werden können, manche erst nach zwei Jahren.
Die Täubinnen legen meist nicht bzw. nur unbefruchtete oder kleine Eier
oder haben nur eine begrenzte Anzahl in den Eierstöcken zur Verfügung.
Im Wildtaubenbuch von Rössler sind viele Verpaarungen verschiedener
Wildtaubenarten untereinander, aber ohne auf weitere Fruchtbarkeit
einzugehen, aufgeführt.
Es wurden auch schon Berichte verfasst, wo selbst Verkreuzungen mit
langschwänzigen Wildtauben als möglich dargestellt sind und in deren
Ergebnis die Nachkommen wieder uneingeschränkt fruchtbar wären.
Diese Experimente habe ich in den vergangenen 20 Jahren auch durch-
geführt, nur ist mir dabei eine Nachzucht bisher nicht gelungen.

Deshalb probiere ich lieber selber aus, was machbar ist und was nicht.
Trotzdem können in der Mischlingszucht immer wieder einmal Über-
raschungen auftauchen. Mit Tauben die schon über Jahre verpaart sind
kam manches Jahr kein Jungtier zustande und im darauf folgenden gleich bis zu fünf. Allerdings kostet es Zeit und Platz wegen der teilweisen Aufzucht mit Ammen.
So kreuzte ich 1,0 Hohltauben und 0,1 Ringeltauben miteinander.
Das Ergebnis waren sehr schöne Jungtiere, im Aussehen wie eine
Ringeltaube, körperlich zwar nicht so stark und am Hals grüne Spiegel
mit durchschimmerndem weiß.
Hier zog ich in einem Jahr einmal 5 Jungtiere auf und verpaarte sie
zurück an Hohltauben. Zwei zeigten sich als Täuber und drei als
Täubinnen, welche auch normale Eier legten, diese aber alle unbefruchtet
waren. Als sie dreimal gelegt hatten war die Anzahl ausgeschöpft und
sie legten selbst nicht wieder, waren aber vorzügliche Ammen.
Die zwei Täuber waren auch unfruchtbar, doch einer war mit der Hohl-
täubin fest verpaart und zog junge Haustauben auf. Im zweiten Jahr
lagen plötzlich vier Eier im Nest. Auch dieser Mischling legte im zweiten
Jahr, obwohl er sich im ersten Jahr wie ein richtiger Täuber zeigte.
Er balzte, baute Nest und trat seine Täubin.
Ich hoffte Ringeltaubenblut in die Hohltauben einfließen zu lassen, um
diese später an die Nachzucht mit den Columbiaarten einzubringen.
Dieses Experiment wurde aber nach 6 Jahren aufgegeben.
Nun wandte ich mich den näher verwandten Arten – Hohltaube und
Felsentaube – zu, was auch gut gelang.
1,0 Hohltaube und 0,1 Klippentaube waren untereinander fruchtbar, die
Nachzuchttäuber aber erst im zweiten Jahr.
Diese Täuber nahm ich wieder zurück, als die ersten fruchtbaren Täubinnen aus der ersten Verpaarung mit Mischlingstauben der
ersten Linie fielen.
Nun hatte ich noch eine Verpaarung 1,0 Guineataube und Felsentaube.
Hier waren die Jungtiere blau gehämmert, aber die Hämmerung mit
bronze Zeichnung und es gab ganz zartblaue Tauben mit rötlichen
Binden und ohne Schwanzbinde. Dies waren fast immer die Täuber,
bei den gehämmerten aber überwiegend Täubinnen.
Nun musste ausgetestet werden, wer fruchtbar ist und vor allen Dingen,
welches die fruchtbaren Täubinnen sind.
So war von einer Täubin der Guinealine nur einmal ein Gelege befruchtet und dann nie wieder.
Diese Täuber wurden wieder zurück an die fruchtbaren Täubinnen
der ersten Linien verpaart.
Durch die Aufzucht mit Lachtauben kam es auch vor, dass die
Jungtiere darauf geprägt waren. Ein schöner zartblauer Täuber aus
der Klippen- x Hohltaubenlinie, dem ich eine Täubin gegeben hatte,
saß nur in seiner Voliere herum und die paarende Täubin interessierte
ihn überhaupt nicht. Diese balzte dann bald durch den Draht mit einem
Hohltäuber.
Da ließ ich eine Lachtäubin in die Voliere und der Täuber stürzte sich
auf den Volierenboden herunter und umwarb sie.
Damit war das Eis gebrochen.
Ich beließ sie noch zwei Tag mit in der Voliere, entfernte sie dann und
binnen einer Woche war er mit der für ihn vorgesehenen Täubin
verpaart.
Diese Täuber nahm ich wieder zurück, als die ersten fruchtbaren Täubinnen aus der ersten Verpaarung mit Mischlingstauben der
ersten Linie fielen.
Nun hatte ich noch eine Verpaarung 1,0 Guineataube und Felsentaube.
Hier waren die Jungtiere blau gehämmert, aber die Hämmerung mit
bronze Zeichnung und es gab ganz zartblaue Tauben mit rötlichen
Binden und ohne Schwanzbinde. Dies waren fast immer die Täuber,
bei den gehämmerten aber überwiegend Täubinnen.
Nun musste ausgetestet werden, wer fruchtbar ist und vor allen Dingen,
welches die fruchtbaren Täubinnen sind.
So war von einer Täubin der Guinealine nur einmal ein Gelege befruchtet und dann nie wieder.
Diese Täuber wurden wieder zurück an die fruchtbaren Täubinnen
der ersten Linien verpaart.
Durch die Aufzucht mit Lachtauben kam es auch vor, dass die
Jungtiere darauf geprägt waren. Ein schöner zartblauer Täuber aus
der Klippen- x Hohltaubenlinie, dem ich eine Täubin gegeben hatte,
saß nur in seiner Voliere herum und die paarende Täubin interessierte
ihn überhaupt nicht. Diese balzte dann bald durch den Draht mit einem
Hohltäuber.
Da ließ ich eine Lachtäubin in die Voliere und der Täuber stürzte sich
auf den Volierenboden herunter und umwarb sie.
Damit war das Eis gebrochen.
Ich beließ sie noch zwei Tag mit in der Voliere, entfernte sie dann und
binnen einer Woche war er mit der für ihn vorgesehenen Täubin
verpaart.

Sehr interessant ist auch das Balzverhalten und die Lautäußerungen
dieser Mischlingstäuber. Es sieht schon gut aus, wenn ein gehämmerter
Täuber das Balzverhalten eines Hohltäubers zeigt.
So habe ich eine Linie aufgebaut, in welcher die vier Arten
- Hohltaube, Felsentaube, Klippentaube und Guineataube –
miteinander verkreuzt und auch durchgehend fruchtbar sind.
Es sind sehr vitale und schöne Tauben.
Aus dieser Linie wurde auch versuchsweise an Brieftauben angepaart,
um das heimfinde Vermögen zu überprüfen. Alle Tauben, die ich in
unterschiedlichen Entfernungen einzeln aufließ, kehrten wieder in
ihren heimatlichen Schlag zurück.
Für mich wäre es interessant zu wissen, ob noch andere Züchter
oder Halter in dieser Richtung Versuche unternommen haben, damit
man sich ggf. über Erfahrungen und Erfolge austauschen kann.
Soweit der Bericht meines Freundes.


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29.04.2011, 22:05 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.04.2011 22:06 von Lupus.)
Beitrag #3
Der Klätscher
Zuchtfreund R. Pillen stellte mir nachfolgende Geschichte zur Rettung einer alten Kröpferrasse zur Verfügung.
Viele Menschen lieben zutrauliche Tiere - und die Klätschertauben sind zutraulich. Es gibt nur wenige Taubenrassen wie die Kröpfer, zu denen sie zählen, die ein seit Jahrhunderten vererbtes Gut, ihre sprichwörtliche Zahmheit, in so ausgeprägter Art besitzen. Sie sind den Menschen zugetan, und der Mensch hat sie in sein Herz geschlossen.
Schon zu frühen Zeiten gab es auch in Böhmen und Mähren verschiedene Kropftaubenrassen mit unterschiedlich ausgebildeten Kröpfen. Hauptsächlich wurden sie zu Flugzwecken oder als Nutztauben gehalten. Unter ihnen befand sich eine Landkröpferrass, die sich mit mehr "flaschenförmigen" Kropf von den zumeist größeren, schon veredelten Rassen unterschieden. Ihre Züchter nannten sie einfach "Egerländer". Sie verfügten über sehr gute Flug- und exzellente Klatscheigenschaften, bis mehrere Varianten herausgezüchtet wurden und man diese dann als Einfarbige, Schecken usw. veredelte.
Damit teilte sich die Züchterschaft in Liebhaber einerseits der Ausstellungskröpfer und andererseits blieb ein Restbestand der alten Egerländer, die sich dann nach 1800 auch nach Deutschland und den angrenzenden Beneluxstaaten ausbreiteten. Sie bestimmten noch lange Zeit das Bild von Tauben auf dem Bauernhof. Vor allem im Bayerischen Raum war diese Kropftaube unter dem Namen "Klätschertaube" sehr beliebt und ziemlich verbreitet. Es waren enorm robuste Tiere, d.h. wetterfest. Auch waren sie anspruchslos und sie suchten sich einen Großteil ihrer Nahrung selbst. Ein weiteres Kriterium war die Frühreife und die guten Flugeigenschaften dieser Bauerntauben.
Über die Entstehung dieser Kropftauben kann nur spekuliert werden. So glauben einige Autoren, daß sie über mehr als drei Landkröpferrassen und Böhmische Tümmlertauben ins Leben gerufen wurden. Soweit es sich zurückverfolgen läßt, war wiederum die Klätschertaube mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz entscheidend an der Bildung der Steiger- und Stellerkröpfer beteiligt.
Der derzeitige Zuchtstand originaler Klätschertauben ist sehr bedrohlich. Es gibt z.Zt. in Deutschland zwei von der Größe her unterschiedliche Typen. Der kleinere knapp "mittelgroße", tief stehende Egerländer aus dem Mutterland Böhmen, und der etwas größere Deutsche Typ, dem eine Veredlung aus früheren Jahren deutlich anzusehen ist. Als knapp mittelgroß nenne ich hier z.B. die Stellerkröpfer, als größere Variante die Steigerkröpfer
Der alte Böhmische Typ zeigt weniger Eleganz als die in Deutschland gezüchtete Klätschertaube. Im Seitenprofil soll dieser Kröpfer eine ziemlich lang gestreckte Taube darstellen, deren Flügel fast bis zum Schwanzende reichen, sich aber nicht kreuzen sollen. Zur figürlichen Ausstrahlung gehört weiterhin eine leicht abfallende Körperhaltung bei sehr niedrigem Stand, guter Halslänge und flaschenförmigen wenig entwickeltem Blaswerk. Weitere Erkennungsmerkmale sind ein länglich abgerundeter Kopf mit leicht abgesetzter Stirn und mittelangem wachsfarbigen dünnen Senkschnabel. Unreine Schnäbel kommen vor allem bei Schecken vor. Kleine Nasenwarzen tragen zum feinen Gesichtsausdruck bei, ebenso die Perlaugen (nur bei Einfarbigen), die von unauffälligen rosafarbigen Augenrändern umgeben sind. Von den Farbschlägen der Rasse, die sich aus verschiedenen Kombinationen im Laufe der Jahrhunderte ergaben, sind die Roten, Schwarzen und die meisten Scheckenfarben bis in die heutige Zeit die beliebtesten Zeichnungsarten geblieben. Vor allem die Einfarbigen in oben genannten Farbschlägen waren schon immer das Aushängeschild dieser Kröpfer, die meistens als satte und glänzende Lackfarben regelrecht beeindrucken konnten. Weniger beachtet wurde der gelbe Farbschlag und die Weißen. Das Wahrzeichen der Klätschertauben sind die ganzjährig zerschlissenen Flügel.
Meine ersten Tauben bekam ich 1948. Inspiriert durch meinem Vater, der begeisterter Brieftaubenfreund war, begnügte ich mich zunächst mit einigen Feldflüchtern und später kamen aus Belgien und Holland gleich mehrere Klätschertauben in verschiedenen Farben dazu. Ihre Frohwüchsigkeit, die Farbschönheit, das zutrauliche Wesen und die Unkompliziertheit in der Aufzucht machte mir die Entscheidung für die Zucht leicht. Die hartnäckige These, daß Klätschertauben mehr Dachhocker als Feldflieger sind, teile ich nicht. Viele Jahre flogen sie, animiert durch meine Feldflüchter, über größere Distanzen auf die Felder und kehrten mit prall gefüllten Kröpfen zum Taubenschlag zurück.

Groß war meine Freude, als ich bei dem Taubenzüchter-Kollegen G.Winzen in Köln eine kleine Kollektion scheckiger Klätschertauben des alten Typs sah, deren Merkmale sich mit meinen damaligen Tieren in jeder Hinsicht deckten. Hohe Inzuchtgrade und unüberlegte Kreuzungen in der Vergangenheit, ließen den Bestand an rein gezogenen Zuchttieren schrumpfen. Jedoch hat es imer wieder Züchter gegeben, die eine "Modernisierung" des alten Typs grundsätzlich ablehnten. Ihnen ist es zu verdanken, daß es die Klätschertaube heutzutage noch gibt. Den letzten Klätschern ist es zu wünschen, daß sie auch für die Zukunft noch einen gesicherten Platz in der Taubenwelt behalten dürfen. Bei dem Gedanken, daß die jahrhunterte langen Bemühungen um eine künstlerische Flugtaube nicht mehr von Bedeutung ist, wird es einem Taubenfreund bang ums Herz.
Wer mehr über die Klätscher von Herrn Winzen wissen möchte, kann sich unter Tel. 01718977046 informieren.


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29.04.2011, 22:41
Beitrag #4
RE: Rund um die Taube u.a. Feldflüchter
War gestern im Tierpark Warder und wollte mir dort auch die Klätscher ansehen, aber die haben sie schon mindestens 4 Jahre nicht mehr. Schade.
Wusste ich nicht besser. Vielleicht sehe ich sie ja mal in Natura woanders. Wäre sicherlich interessant.
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01.05.2011, 21:01
Beitrag #5
Impressionen
Feldflüchter-Impressionen - ohne viele Worte


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06.05.2011, 21:12
Beitrag #6
Deutsches Taubenmuseum
Alles über Tauben aus der ganzen Welt findet man im
Deutschen Taubenmuseum http://www.taubenmuseum.de
in Nürnberg.
Aber auch über sämtliches anderes Geflügel sind interessante Exponate vorhanden. Einmal im Jahr ist dort ein großes Züchtertreffen (Karfreitag), dort und dann wird auch die Hauszeitschrift "Columba" herausgegeben.
Gruß
Lupus


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22.05.2011, 22:59 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.05.2011 06:53 von Lupus.)
Beitrag #7
RE: Rund um die Taube u.a. Feldflüchter
Aus der Felsentaube wurden viele Taubenrassen gezüchtet und auch genutzt, z.B. zur Fleisch- und Federgewinnung. Der Taubendung brachte gute Ernten ein und diente so indirekt der Ernährung. Die Eigenschaft der Felsentauben auch aus größerer Entfernung wieder zum Nistort zu finden, nutzte der Mensch und festigte durch gezielte Zucht diese Anlagen. Heute ist es "nur noch Sport" aber in früheren Zeiten brachten Brieftauben, die als Botentauben eingesetzt wurden, der Geschäftswelt und dem Militär großen Nutzen. Im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt
http://www.wgm-rastatt.de/ werden jetzt eine Brieftaube mit Brustgeschirr-Meldehülse und eine "Aufklärer-Brieftaube" mit Kamera und Fußmeldehülse zu sehen sein. Da die Brieftauben vom Auslassort den direkten Weg zum Heimatschlag einschlagen, sind sie als "Aufklärer" oder "Spion" ungeeignet und wurden diesbezüglich nicht eingesetzt.


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23.05.2011, 11:20
Beitrag #8
RE: Rund um die Taube u.a. Feldflüchter
ZU diesem Thema ist auch ein Buch sehr interessant
Leben mit Brieftauben, Herausgegeben im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Westfälisches Museumsamt von Bernard Korzus, Münster 1984. Westfalen Verlag.
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23.05.2011, 15:36 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.05.2011 16:13 von Lupus.)
Beitrag #9
Militärtauben
Hallo federfuss,
danke für den Hinweis. Ich habe das Buch sofort bestellt. Ein weiteres Buch zum Thema ist das Buch "Gefiederte Kuriere" von Carl Hildebrandt.
Meistens wurden mehrere Botentauben mit der gleichen Meldung augelassen, um "auf Nummer Sicher zu gehen"


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10.06.2011, 15:32
Beitrag #10
Feldflüchter in Weiß
Von Herrn Christian Reichenbach erhielt ich diese Information über weiße Feldflüchter der griechischen Insel Tinos:
"Anbei sende ich Ihnen zwei Fotos von den hier häufig anzutreffenden weißen Tauben aus den zahlreichen Taubenhäusern auf der Insel. Auf dem einen Bild sehen Sie Tiere aus der Umgebung auf dem Dach des Brunnenhäuschen gleich außerhalb meines Grundstückes, wohin sie zum Saufen kommen. Sie müssen sich ja ihr Futter selbst suchen, und das ist zumindest zeitweise schwierig. Daß die Tiere am Vorderkörper so gelblich aussehen, kommt von der Futtersuche in der Erde. Im Herbst nach der Mauser sehen sie wieder schön weiß aus, wie auf dem zweiten Foto"
Soweit Herr Reichenbach. Sollte sich so einem Schwarm eine blaue oder gehämmerte Taube anschliessen, wird sie sicherlich von Beutegreifern "herausselektiert", wie bei unseren Feldflüchtern eine weiße Taube.


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11.06.2011, 21:04 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11.06.2011 21:23 von Lupus.)
Beitrag #11
Hohltaube Columba oenas
Kleiner als Stadttaube, Gesamtfärbung blaugrau, der Seitenhals mit grünem Metallglanz, Kropf und Brust stark weinrot angeflogen, große Flügeldecken mit schwarzen Basisflecken, die keine Binde bilden. Handschwingen grau-schwarz, Schwanz mit breiter dunklerer Endbinde, Schnabel rötlich mit gelber Spitze, Iris dunkelbraun, Beine blutrot, Gewicht 250 - 300 g.
Die Hohltaube brütet hauptsächlich in Altlaubholzbeständen in verlassenen Schwarzspechthöhlen. Falls keine Baumhöhlen zur Verfügung stehen, werden auch Bodenbaue, z.B. von Kaninchen, als Brutröhre genutzt, siehe u.a. Präparate "Untermieter im Kaninchenbau" (Hohltaube, Brandgans u. verwildertes Meerschweinchen) in der Hasensammlung im Stadtmuseum Schwabach http://www.schwabach.de/stadtmuseum/
Die Hohltaube ist nahe mit der Felsentaube Columba livia verwandt. In menschlicher Obhut werden leicht Mischlinge mit Haustauben erzielt, die in der F1 im männlichen Geschlecht, zurückgepaart an einen Elter, fruchtbar sind.
Wo bedingt durch die moderne Forstbewirtschaftung keine Schwarzspechte vorkommen, kann man den Hohltauben Nistkästen anbieten, die gerne angenommen werden.
Im Winter ist die Hohltaube häufig mit Ringeltauben oder Feldflüchtern vergesellschaftet.


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19.06.2011, 13:35 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.06.2011 13:52 von Lupus.)
Beitrag #12
Klippentaube Columba rupestris
Der Felsentaube recht ähnlich und durch geringere Ausdehnung der schwarzen Flügelbinden, weniger intensive Halsglanzbezirke sowie eine weiße Querbinde über den Mittelabschnitt des Schwanzes von ihr unterschieden. Fruchtbare Mischlinge mit der Felsentaube schon in beiden Geschlechtern in der F1 möglich. Kreuzungen beider Arten kommen in den Überschneidungsgebieten auch in der Natur vor. Der Ruf klingt ähnlich verschiedener Trommeltaubenrassen.
Ersteinfuhr 1962 in den Tierpark Berlin-Friedrichsfelde (DDR); dort auch 1963 Erstzucht. 1988 importierte ich die ersten Klippentauben aus der ehemaligen UDSSR in die BRD. Die Tauben erhielt ich von Roman Faerman
(auf dem zweiten Bild Roman und helle Nebelkrähe bei meinem Besuch in Israel).Trotz sämtlicher Einfuhr-Genehmigungen der BRD, des Landes NRW und des Oberbergischen Kreises wurden die Klippentauben in Frankfurt beschlagnahmt und auf Veranlassung der Hessischen Landesregierung eingeschläfert. Ich wußte nicht, da der Flieger in Frankfurt landet, ich auch eine Genehmigung des "Hessischen Ministeriums für Frauen und Gesundheit " benötigte.
Daraufhin importierte ich noch 2 x Klippentauben aus der UDSSR, die aber
in Düsseldorf "landeten" und dann im Wildpark Reuschenberg eingestellt wurden. Bis heute werden dort Klippentauben gezüchtet und erhalten.


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22.06.2011, 21:23 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.07.2011 14:12 von Lupus.)
Beitrag #13
Berner Spiegelschwanz
Es gibt mehrere Haustaubenrassen, die wie die Klippentaube auch einen Spiegelschwanz aufweisen.Nach meiner Meinung ist der Berner Spiegelschwanz eine der Schönsten dieser Rassen. Innerhalb eines Projektes zur Farbvererbung erhielt Herr K. Stauber von mir einige Klippentauben zur Verpaarung mit Berner Spiegelschwänzen http://www.taubensell.de/berner-spiegelschwaenze.htm
Die F1-Kreuzungsgeneration wies keine weiße Schwanzbinde auf. Erst bei der Weiterzucht kam die weiße Binde wieder zum Vorschein. Nur nach wenigen Generationen fielen aus der Nachzucht sehr vitale typische Berner Spiegelschwänze.


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04.07.2011, 17:16 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.07.2011 17:24 von Lupus.)
Beitrag #14
Amharentaube Columba albitorques
Größe entspricht einer kleinen Stadttaube. Sehr nahe mit der Felsentaube verwandt. Hauptfärbung dunkelbleigrau, Handdecken größtenteils weiß, einen weißen Fleck bildend, der bei geschlossen Flügeln unsichtbar ist. Auf den Flügeldecken eine schwärzliche Musterung, Schwanz dunkel mit grauem Band. Von Ohr zu Ohr erstreckt sich ein weißes Nackenband, die Federn dahinter sind zugespitzt und besitzen silbergraue Enden. Schnabel schwarz mit pudrig-weißer Nasenwachshaut, Iris dunkelrot, Beine rosa. Die Aufnahmen stammen von Herrn Dr. Wolfgang Ludwig, Zoo Dresden http://www.zoo-dresden.de/ .
Das Schwarmfoto stammt von einer Reise 1999 ins Bale-Gebirge und ist auf dem Sannetti-Plateau bei etwa 4000 m aufgenommen. Dort konnte man größere Schwärme dieser Tauben beobachten. Erstzucht bei Ghigi in Bologna. Z.Zt. ist diese Taube wohl nicht in Europa in menschlicher Obhut.


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11.07.2011, 17:18 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11.07.2011 17:23 von Lupus.)
Beitrag #15
Ostpreußische Taubenrassen
Die alte Salzstadt Lüneburg erfreut sich wegen ihrer gut erhaltenen historischen
Bausubstanz bei Touristen großer Beliebtheit. Wer aber mit etwas Zeit nach Lüneburg kommt, für den gibt es über das Erwartete hinaus manches Interessante oder Überraschende zu entdecken. Ein besonderer kultureller Höhepunkt ist das Ostpreußische Landesmuseum am Rande der Innenstadt.
Ostpreußen, das war einmal die am weitesten nach Nordosten reichende Region des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Gebiets und eine Provinz des Staates Preußen. Mit der Eroberung durch den Deutschen Ritterorden ab 1231 wurde das Gebiet fast 700 Jahre lang von Deutschen besiedelt, entwickelt und geprägt. Hier entstanden im Schutz von Ordensburgen neue Städte und viele Dörfer neben denen der verbliebenen prußischen Bewohner. Auf dieses baltische Volk, das mit der Zeit in der ostpreußischen Bevölkerung aufging, geht der Name des einstmals größten deutschen Bundesstaates zurück.
Ostpreußen lieferte, trotz seiner Randlage, bedeutende Beiträge zur Kulturgeschichte. Hier entstand nach der Reformation Martin Luthers das erste evangelische Fürstentum der Erde. Die alte Salzstadt Lüneburg erfreut sich wegen ihrer gut erhaltenen historischen Hier wirkten oder von hier stammten Nikolaus Kopernikus, Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder, E.T.A. Hoffmann, Lovis Corinth, Käthe Kollwitz und viele bekannte Personen mehr. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurden Ostpreußens nördliche Landesteile und durch die Errichtung des „Polnischen Korridors“ die gesamte Provinz vom Mutterland abgetrennt. Nach dem Zweiten Weltkrieg teilten es die Siegermächte zwischen der Sowjetunion und Polen auf. Heute gehört es zu Litauen, Russland und Polen.
Ostpreußen war ein agrarisch geprägtes Land. Die Landwirtschaft blieb bis zum Ende 1945 der bedeutendste Wirtschaftsfaktor. Wie typisch für den deutschen Osten dominierte die Gutsherrschaft, doch Güter über 100 ha machten in Ostpreußen selbst nur 30% aller Betriebe aus. Auf den großen Gütern ließen sich neu entwickelte Arbeitsgeräte und –maschinen effektiv einsetzen, und so war die Provinz stets führend im Einsatz moderner landwirtschaftlicher Technologie. In den kleineren Betrieben dominierten bis 1945 Pferde und Ochsen als Transport-, Zug- und Arbeitskraft vor der Technik.
So überrascht es nicht, dass Ostpreußen auch in der Tierzucht bleibende Spuren hinterließ. Die älteste rein gezüchtete Pferderasse der Welt entstand ab 1732 im kleinen Dorf Trakehnen in der Nordostecke der Provinz, die damals großflächig von Sümpfen und Brüchen durchzogen und nach einer Pestepidemie praktisch menschenleer gewesen war. Hier ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. Meliorationen durchführen, siedelte Menschen aus vielen Gegenden an, besonders wegen ihres evangelischen Glaubens verfolgte Salzburger, und begründete mit 1.101 Pferden das Gestüt Trakehnen. Dieser Ausgangsbestand sollte stets genügend Reitpferde für das Militär liefern, doch schon nach wenigen Jahrzehnten dominierte das Bedürfnis der Landwirte nach guten Arbeitspferden die Zuchtrichtung. In den genetischen Ausgangsbestand wurden nur Vollblüter englischer und arabischer Abstammung eingekreuzt, ansonsten wurden praktisch keine Angehörige anderer Pferderassen oder –regionen verwendet. Bis heute belegt das Elchschaufel-Brandzeichen der Trakehner, dass die Pferde auf die ostpreußische Warmblutzucht Trakehner Abstammung zurückgehen.
Für die harten Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft vor der Motorisierung entstand in Ostpreußen auch ein eigener Kaltblüterschlag, der Ermländer. Er war aus dem Belgischen Kaltblut herausgezüchtet worden und den deutlich raueren klimatischen Bedingungen Ostpreußens hervorragend angepasst. Eine eigene Stutbuchgesellschaft setzte sich für die stetige Verbesserung der Rasse und gute Absatzmöglichkeiten ein. Leider konnten die Ermländer nach der Vertreibung nicht erfasst und als eigene Zuchtrasse erhalten werden.
Unter den Hausschweinen dominierte in Ostpreußen das Deutsche weiße Edelschwein deutlich vor dem Veredelten Landschwein. Bei den Schafen wurden hauptsächlich das Schwarzköpfige Fleischschaf und das Merino-Fleischschaf gehalten. Andere Schafrassen und Ziegen hatten in Ostpreußen nur geringe Bedeutung. Dies galt auch für die Skudde, die heute als aus Ostpreußen stammende Rasse bekannt ist und mit viel Engagement erhalten wird. Bereits mit der Einführung der Merinoschafe zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Skudde verdrängt und hatte in den 1930er Jahren nur noch einen Anteil von 2% am gesamten Schafbestand der Provinz. Ihre Erhaltung geht ganz wesentlich auf Einzeltiere zurück, die schon vor 1945 als Angehörige einer bedrohten Nutztierrasse erkannt und in westdeutschen Zoos gehalten wurden.
Im Ostpreußischen Landesmuseum wird natürlich auch auf die Bedeutung aus Ostpreußen stammender Nutztierrassen eingegangen. Vieles allerdings befindet sich in einem Umbruchprozess, weil das Museum eine seit Jahrzehnten versprochene Erweiterung endlich konkret vor Augen hat. Deshalb wird erst nach einer großen Neukonzeption vorgestellt werden können, was ihm durch Freunde in den letzten Jahren an wertvollen Exponaten im Bereich der Haustiere zugewachsen ist. Auf die Skudden und ihre Besonderheiten wie z.B. ihren modernen Einsatz in der extensiven Landschaftspflege kann erst in Zukunft verwiesen werden.

Auch die Vielfalt der aus Ostpreußen stammenden Haustaubenrassen spiegelt sich vorerst nicht in der ständigen Ausstellung wider. Glücklicherweise konnten Ostpreußische und Königsberger Farbenköpfe, Memeler Hochflieger, Gumbinner und Elbinger Weißköpfe, Königsberger Reinaugen, Ostpreußische Werfer und Danziger Hochflieger in kleineren Zuchtbeständen fern ihrer Heimat erhalten werden und stellen gewissermaßen „lebendes ostpreußisches Kulturgut“ dar. Vom Nutzgeflügel sind keine in Ostpreußen erzüchteten Rassen bekannt, mit einer Ausnahme vielleicht, dem Ostpreußischen oder Deutschem Buschhuhn. Dieses auch an das Leben in freier Wildbahn angepasste Zwerghuhn ist nachweislich in Ostpreußen entstanden, wurde dann nach 1945 im Westen neu erzüchtet. Nachzuchten dieser Buschhühner wurden nach Frankreich exportiert und kehrten unter dem Namen Javanesisches Zwerghuhn nach Deutschland zurück.
Nach der Vertreibung 1945 siedelten sich besonders viele Ostpreußen im Nordwesten der heutigen Bundesrepublik an. Ihrem Engagement ist es ganz wesentlich zu verdanken, dass es in Lüneburg ein Museum gibt, das an den großen Beitrag Ostpreußens zur deutschen und europäischen Kulturgeschichte erinnert. Da die ersten Aktiven fest in der Forst- und Jagdtradition der Provinz verwurzelt waren, gründeten sie das „Ostpreußische Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde Ostpreußen“ 1958 im historischen Gebäude „Altes Kaufhaus“. Durch Brandstiftung wurde es bereits im Dezember 1959 zerstört, aber bereits 1964 unweit der damals noch in Betrieb befindlichen Lüneburger Saline wieder eröffnet. Es wurde zum Fundament eines konzeptionell völlig neuen Museums für Ostpreußen, als die Bundesregierung die Pflege und Erhaltung ostpreußischen Kulturguts nach § 96 Bundesvertriebenengesetz verbindlich regelte und die Einrichtung von Landesmuseen für die verlorenen Ostgebiete vorsah.
1987 wurde das „Ostpreußische Landesmuseum“ am heutigen Standort eröffnet und erfreut sich stetigen Interesses nicht nur bei den aus Ostpreußen stammenden Menschen und ihren Nachkommen, sondern auch bei Touristen und weiten Kreisen der regionalen Bevölkerung. Es vermittelt neben den o.a. besonderen Themen der Landwirtschaft interessante Einblicke in die allgemeine Geschichte, die Vor-, Früh- und Kunst- und Kulturgeschichte, die Schifffahrt, das (Kunst-)Handwerk, die Geschichte der Wissenschaft, des Bernsteins, der Jagd, der Land- und der Forstwirtschaft in Ostpreußen. Mit der geplanten Erweiterung werden neben der Geschichte der Deutschen im Baltikum auch die Integration der vertriebenen Ostpreußen im Nachkriegsdeutschland und die Entwicklung im früheren Ostpreußen selbst einschließlich seiner deutschen Spuren thematisiert werden. Einen Besuch ist das Museum zu jeder Zeit wert.

Öffnungszeiten: Di bis So von 10.00 – 18.00 Uhr

Adresse: Ritterstr. 10, 21335 Lüneburg

Kontakt: Tel. 04131/75995-0, Fax 04131/75995-11, info@ol-lg.de, http://www.ostpreussisches-landesmuseum.de

Dr. Christoph Hinkelmann

Neben den überall in Deutschland vorkommenden Feldflüchtern wurden in Ostpreußen haptsächlich Flugtauben gezüchtet. Herr Martin Zerna hat mir dankenswerterweise die gesamten Rassefotos zur Verfügung gestellt.
Die ersten beiden gehören zur Rasse Gumbinner Weißköpfe. Gumbinnen liegt heute in Rußland, besser, im russischen Teil von Ostpreußen.


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11.07.2011, 17:36
Beitrag #16
Ostpreußische Taubenrassen
Es folgen zwei Ostpreußische Werfer.
Danach zwei Königsberger Farbenköpfe, glattköpfig und glattfüßig, Seltenheiten.
Von den kappig belatschten Königsberger Farbenköpfen ebenfalls 2 Fotos danach.


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11.07.2011, 17:49
Beitrag #17
Ostpreußische Taubenrassen
Danach ein Königsberger Reinauge, kappig, bestrümpft.
Im Anschluß ein Elbinger Weißkopf blaugehämmert, ein Tier schwarz.
Eine Pommersche Schaukappe


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11.07.2011, 18:05
Beitrag #18
Ostpreußische Taubenrassen
Danach Danziger Hochflieger (3 Fotos).
Zwei Memeler Hochflieger (weiß und gelbgespitzt).
Zumindest je ein, teilweise auch 2 Präparate pro Rasse befinden sich im Ostpreußischen Landesmuseum


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24.07.2011, 19:03 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.07.2011 19:17 von Lupus.)
Beitrag #19
Ringeltaube Columba palumbus
Etwas größer als die Stadttaube. Kopf, Hals und Oberseite blaugrau, die Halsseiten grün und purpun schimmernd, dazu mit weißen Halsfleck, Armschwingen schiefergrau, Handschwingen dunkler, Handdecken schwarz. Entlang der Flügelkante ein schmales weißes Band, Schwanzwurzel mit heller Querbinde, sonst grauschwarzer Schwanz. Brust weinrötlich, Seitenbrust und Bauch ockergelblich, Unterbach weißlich. Schnabel hochrot mit gelber Spitze, Iris weißlich bis fahlgelb, Füße blutrot.
In den letzten Jahren entwickelt sich die Ringeltaube von einem sehr scheuen Waldvogel zu einem fast handzahmen Kulturfolger. Als Waldvogel war die Ringeltaube sehr schwer zu bejagen, sodaß die Jäger sagten:"Ringeltauben haben auf jeder Feder ein Auge".
Allerdings werden, bis auf wenige Ausnahmen, selbst handaufgezogene Ringeltauben in menschlicher Obhut nicht wirklich zahm.
Ringeltauben sind im Verhalten ganz Baumtauben und es besteht die Neigung zum Abflücken von Früchten. So ist die Ringeltaube, neben der
Misteldrossel und der Mönchsgrasmücke, mit ein Hauptverbeiter der Mistel Viscum album.


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25.07.2011, 15:50 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.07.2011 15:54 von Lupus.)
Beitrag #20
Die Mistel und die Vogelwelt
Neben dem Einsatz von Mistelprodukten in der Humanmedizin werden verstärkt von verschiedenen Herstellern Mistel-Knoblauch-Weißdornsäfte zur Vitalisierung von Tauben angeboten.
Da ich verschiedene Mistelarten und -gattungen selber züchte, fällt schon mal überzähliges Saatgut an. Meine Buschhühner sind geradezu "verrückt" nach frischen Mistelbeeren.
Mit etwas Geduld kann man Misteln selber züchten - siehe auch Kulturanleitung im Anhang.
Die Welt der Mistel ist eng mit der Vogelwelt verbunden. Wie bereits beschrieben, erfolgt die Aussaat und Verbreitung der Mistel hauptsächlich durch Misteldrosseln, Mönchsgrasmücken, Seidenschwänzen und Ringeltauben.
Aus den Früchten der Eichenmistel Loranthus europaeus wurde der Leim für die Leimruten zum Vogelfang hergestellt.


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